HungaroControl – so überwachen ATCOs einen Flughafen aus der Ferne

HungaroControl – so überwachen ATCOs einen Flughafen aus der Ferne

Haben Sie schon mal eine Drohne gesteuert? Dann kennen Sie sicher auch das mulmige Gefühl, wenn sich das kleine Flugobjekt fast außer Sichtweite befindet und man nur darauf hoffen kann, dass es unbeschadet zurückkommt. Stellen Sie sich jetzt einmal vor, wie es wäre, den gesamten Flugbetrieb eines Flughafens komplett ohne direkten Sichtkontakt durchzuführen. Klingt unmöglich? Keinesfalls. Denn genau das ist im Remote Tower von HungaroControl in Budapest seit einigen Jahren bereits zum Alltag für die dort arbeitenden Fluglotsen geworden. Wie genau das funktioniert und welche Rolle KVM dabei spielt, erfahren Sie hier.

Vor allem kleinere Flughäfen setzen heute vermehrt auf das Konzept Remote Tower. Denn gerade hier lässt sich so der Flugverkehr intelligenter und wirtschaftlicher steuern – ohne Leerlauf für die Lotsen. Mit seinem Remote-Tower-Konzept war der Flughafen in Budapest mit rund 100.000 Flugbewegungen pro Jahr europaweit einer der ersten, der dieses Konzept verfolgte. Die Lotsen werden dabei von hochmodernen Kamera-Infrastrukturen unterstützt, die Echtzeitbilder und eine 360-Grad-Ansicht des Flughafen-Vorfeldes an die Controller-Plätze übertragen.

Volle Sicht aus der Ferne

ATCO vor Video-KontrollwandJetzt überwachen die Air Traffic Controller (ATCOs) die Boden,- Lande- und Abflugbewegungen ohne direkte Sicht aus einem der modernsten Remote-Flugüberwachungszentren in Europa. Eigentlich war HungaroControl jahrelang im Budapester Flughafenturm beheimatet. Doch da sowohl der Tower als auch die darin verbaute Technik bereits in die Jahre gekommen waren, sollte eine neue Steuerungsanlage für den Flugbetrieb aufgebaut werden, die vom Flughafen unabhängig ist und von HungaroControl selbst betrieben wird.

Remote Tower goes on air

Gesucht wurde also nach einer leistungsfähigen Lösung, mit der Flugzeuge sicher und zuverlässig durch die Sinkflug-, Lande- und Abflugphase gelotst und die Vorteile des satelliten-gestützten Ankunfts- und Abflugverfahrens genutzt werden können. Umgesetzt wurde dies mithilfe eines sogenannten Remote-Tower-Konzepts. In einem räumlich entfernten Kontrollraum sorgen neue, moderne und effizientere Arbeitsplätze für verbesserte Arbeitsabläufe. Auch die hohen Anforderungen an Redundanz, Sicherheit, Produktivität und optimierte Wartungsmöglichkeiten konnten mit diesem Ansatz genau umgesetzt werden.

Ready for take-off

Ungarns Remote-Tower-Konzept basiert auf der bidirektionalen Integration des bestehenden Bodenüberwachungssystems (A-SMGCS) und eines an mehreren Orten am Flughafen aufgestellten Kameranetzes. Modernste Thermokameras senden rund um die Uhr Videofeeds an vier Video-Wall-Server. Mithilfe der KVM-Matrix ControlCenter-Digital werden die Feeds auf die Kontrollraum-Videowand aufgeschaltet. So bleiben das Flughafen-Vorfeld sowie die Start- und Landebahnen stets visualisiert. Die aus 32 Bildschirmen bestehende Videowand liefert ATCOs umfassende visuelle Informationen und ermöglicht einen Überblick über den gesamten Flughafen. Ein gespiegeltes, redundantes Videowall-Server-System lässt sich mithilfe der KVM-Matrix per Tastendruck einfach abrufen. So kann das Flughafen-Vorfeld selbst bei Störungen noch komplett überwacht werden.

Blick in den Remote Tower von HungaroControl

Zwei ATCOs an ihren Arebitsplätzen im HUngaroControl Remote TowerIm Kontrollraum der ungarischen Flugsicherung befinden sich fünf Controller Working Positions. Jede davon greift auf mehrere Rechner zu. Ein Teil der Rechnertechnik wurde in einen klimatisierten und zugangssicheren Serverraum ausgelagert und wird ebenfalls über den KVM-Matrixswitch ControlCenter-Digital an den Arbeitsplätzen verfügbar gemacht. Über die Arbeitsplatzmodule DVI-CON greifen die Bedienenden auf die entfernten Rechner in Echtzeit genauso zu, als wären sie noch physikalisch unter dem Controller-Tisch verfügbar.

Der unsichtbare Wingman

Was sich so selbstverständlich anhört und intuitiv zu bedienen ist, ist mit jeder Menge KVM-Technik im Hintergrund verbunden. Die KVM-Systeme entlasten die Fluglotsen bei ihrer Arbeit, ohne von ihnen bewusst wahrgenommen zu werden – wie ein unsichtbarer Wingman hinter den Kulissen.

Im Remote Tower in Budapest wurden nicht nur Videowall-Server und Bedien-Rechner redundant aufgebaut, sondern vielmehr wurde auch ein zweiter, komplett gespiegelter Matrixswitch ControlCenter-Digital eingesetzt. Sollte – im Falle einer Störung – eine KVM-Matrix ausfallen, springt die zweite Matrix automatisch ein. Diese Vollredundanz stellt somit sicher, dass alle Lotsen ihre Arbeit wie gewohnt fortführen können.

Präventives Health Management

Die SNMP-Überwachung der Betriebszustände aller KVM-Komponenten garantiert das automatische Umschalten zwischen Haupt- und Redundanz-Rechner. Die überwachten Werte werden als SNMP-Trap versendet und dem technischen Personal zur Verfügung gestellt.

Making the impossible possible

Das neue Konzept brachte HungaroControl entscheidende Vorteil bei der täglichen Arbeit:

  • ein vollredundantes System garantiert maximale Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit aller Systeme
  • viel weniger Lärm- und Abwärmeemissionen
  • effiziente, ergonomische und benutzerfreundliche Arbeitsabläufe
  • Wartung und Konfiguration der Systeme in einem separaten Areal, ohne die Arbeit der ATCOs zu unterbrechen

Ob Anflug, Abflug oder Boden-Management – bei jeder Flugbewegung unterstützt KVM von G&D die Fluglotsen unsichtbar. Sie können sich bei ihren verantwortungsvollen Aufgaben voll und ganz auf die Technik im Hintergrund verlassen.

Sollten Sie sich also das nächste Mal Sorgen um das Wohlergehen Ihrer Drohne machen, denken Sie gerne an die Controller am Budapester Flughafen, die tagtäglich das Unmögliche möglich machen. Vielleicht kommt Ihnen dann die Steuerung Ihrer Drohne auch direkt viel einfacher vor.

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