KVM für professionelles Streaming und Gaming – so funktionierts

KVM für professionelles Streaming und Gaming – so funktionierts

Trauriger Toad
Das war’s mit dem Sieg für Toad © Nintendo

Wir sind mitten im letzten Teil eines spannenden Rennens. Toad wirft einen Pilz, setzt sich ganz knapp an erste Stelle. Ein wütender Bowser hinter ihm rutscht auf einer Banane aus. Der Vorsprung wird immer größer und Toads Sieg bei Mario Kart scheint sicher. Und plötzlich – wird der Bildschirm für ein paar Sekunden schwarz. Das Ergebnis: Toad wurde rücklings von Bowser mit einem Schildkrötenpanzer abgeworfen und der sicher geglaubte Sieg ist dahin. Ein enttäuschendes Ergebnis für den motivierten, kleinen Pilzkopf!

Während es in Rennen im heimischen Wohn- oder Kinderzimmer oft nur um Ruhm und Ehre und vielleicht eine virtuelle Trophäe geht, sieht die Situation im professionellen Gaming ganz anders aus. Kommt es hier auch nur zu den allerkürzesten Aussetzern, kann der oberste Rang in der Liga oder sogar jede Menge Preisgeld schnell dahin sein. Als Abhilfe dagegen zeigen wir auf der diesjährigen IBC eine KVM-Lösung, mit der sich professionelle Gamerinnen und Gamer voll auf ihr Spiel oder ihren Stream konzentrieren können – ohne Sorge um die Technik im Hintergrund.

Das richtige Setup für professionelles Gaming

Um überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen, welche KVM-Lösung für Streamer und Gamer infrage kommt, haben wir uns als Erstes das typische Equipment im Streaming-Bereich angeschaut. Hier ist es wichtig, sowohl den Gaming-Content als auch die Reaktionen des Spielenden im Blick zu haben. Dies geschieht über zwei Kameras – eine Hauptkamera für den Content und eine zweite, um die Reaktionen zu filmen.

Weiterhin geht es beim Setup auch um die wichtige Frage, ob für das Spiel eine Spielekonsole oder ein Gaming-Rechner verwendet werden. Bei einer Konsole muss das Signal sowohl auf den Monitor, an dem man spielt, als auch auf die entsprechende Streaming-Plattform übertragen werden. Dafür benötigt man einen zusätzlichen Rechner, der die Signale mithilfe einer Grabberkarte abgreift. Diese nimmt dann die Inhalte, die von den Konsolen kommen, auf und gibt sie am Hauptmonitor wieder aus.

Beim Einsatz eines Gaming-Rechners gelangt der Content von der Grafikkarte direkt zum Hauptmonitor. Gerade bei den Rechenleistungen, die Gaming in Kombination mit Streaming benötigt, ist es wichtig, einen Gaming- und einen zusätzlichen Streaming-Rechner im Einsatz zu haben. Beim Einsatz von nur einem Rechner würde einfach zu viel Rechenleistung vom Spiel abgezogen. In diesem Fall wäre wohl weder beim Spieler noch bei den Zuschauern die Rede von einem perfekten Gaming-Erlebnis.

Umschaltung zwischen Quellen? Einfach per KVM!

Natürlich fehlt jetzt noch eine Möglichkeit, um zwischen den einzelnen Quellen schnell und verlustfrei hin- und herzuschalten. Um dies zu ermöglichen und die einzelnen Gaming- und Streaming-Komponenten in einem einheitlichen System zusammenzufassen, kommt an dieser Stelle KVM ins Spiel – im wahrsten Sinne des Wortes.

In unserem Setup werden sowohl der Gaming-Rechner als auch die Spielekonsolen mit jeweils einem Rechnermodul eines DP1.2-Vision-KVM-Extenders (CPU) ausgestattet. Das entsprechende Gegenstück, das DP1.2-Vision-Arbeitsplatzmodul (CON), ist mit der Grabberkarte im Gaming-Rechner verbunden. Zusätzlich ist der Gaming-Monitor auch an ein DP1.2-CON angeschlossen. Um nun ein möglichst schnelles und verlustfreies Umschalten zu ermöglichen, kommt ein ControlCenter-Compact-Matrixswitch zum Einsatz.

Schematische Darstellung der beschriebenen Anwendung
KVM-Gaming-Anwendung

Framerate-Conversion für schnelle Umschaltung zwischen verschiedenen Quellen

Für ein flüssiges Spielerlebnis benötigen Gamer heutzutage immer höhere Bildwiederholraten. So kann ein Gaming-Monitor beispielsweise ein Bild mit 1080 p bei 240 Hz empfangen. Doch beim Streaming auf Videoplattformen werden diese hohen Bildwiederholraten gar nicht benötigt. Denn in diesen Fällen sieht das Publikum meist maximal 24 Frames. Die restlichen 216 wären also verschwendete Arbeitsleistung der Grabberkarte. Damit dies nicht passiert, bietet G&D ein spezielles Feature: die Framerate-Conversion. Mit diesem Feature lässt sich das Eingangssignal der Grabberkarte am KVM-Arbeitsplatzmodul so einstellen, dass diese immer nur die Framerate erhält, die auch benötigt wird. Liegt das Eingangssignal beispielsweise bei 1080 p und 120 Hz, kann es auf 60 oder sogar auf 30 Hz reduziert werden. Das entlastet nicht nur den Gaming-Rechner, sondern ermöglicht Instant-Switching zwischen den aufzuschaltenden Quellen.

Weniger Monitore sorgen für aufgeräumte Arbeitsplätze

Zwei Monitore, einer quer, einer hochkant, mit Gaming-Inhalten
Übersichtlicher Gaming- und Streaming-Arbeitsplatz

Zusätzlich verwenden viele Streamer ein sogenanntes Streamdeck. Mithilfe von belegten LED-Tasten ist es möglich, über das Streamdeck Befehle zu senden. Dies können beispielsweise ein OBS-Befehl oder ein Befehl für die Lichtsteuerung im Raum sein, die über ein Skript gesteuert werden. In unserem Fall haben wir sowohl für den Gaming-Rechner als auch für die Spielekonsolen ein Szenario geschrieben, mit dem sich das Haupt-Arbeitsplatzmodul auf die Spielekonsolen oder den Gaming-Rechner aufschaltet. Die Inhalte dieser Quellen werden dann direkt auf dem Monitor in den Stream integriert. Unübersichtliche Streaming-Plätze mit unzähligen Monitoren gehören so der Vergangenheit an. Zwei Displays – eins quer, eins hochkant – reichen vollkommen aus, um die verschiedenen Quellen übersichtlich darzustellen. Selbst die Signale von Gaming-Tastatur und –Maus können einfach auf den Streaming-Monitor umgeleitet werden, um einen Kommentar im Chat des Streams zu hinterlassen.

Mit dieser Lösung müssen sich Streamer keinerlei Gedanken mehr um das Thema Setup machen, denn dieses bleibt immer gleich. Nur der Content ändert sich – von Rechner zu Spielekonsole oder wieder zurück. Und das alles innerhalb von Sekunden.

Lösung auch für den Einsatz in Gaming-Arenen

In dem hier dargestellten Fall handelt es sich um eine Insellösung – also eine Lösung für nur einen Arbeitsplatz. Doch natürlich ist mithilfe eines Matrixsystems auch die Anbindung an Videosysteme oder die Auslagerung des Equipments aus einer Gaming-Arena möglich. Alle Geräte bis auf das DP1.2-Arbeitsplatzmodul und den Controller befinden sich hier in einem separaten Technikbereich. Somit können Administratoren des Systems im Hintergrund Teams auf bestimmte Spielekonsolen aufschalten, Framerates reduzieren, Aufzeichnungen der Spiele starten oder Spieler bei Ausfall einer Konsole im Bruchteil einer Sekunde auf ein Redundanzsystem aufschalten.

Und auch um USB-Latenzen muss sich in diesen Szenarien niemand sorgen. Für die volle USB-Unterstützung ist jedes G&D-Rechnermodul mit einem U2+R-Arbeitsplatzmnodul gepaart. Dies sorgt dafür, dass auch die Umschaltung von USB-Signalen ohne jegliche Unterbrechungen stattfindet.

In beiden Anwendungen, sowohl bei der Insellösung als auch beim Einsatz in einer Gaming-Arena bleibt durch den Einsatz von KVM ein aufgeräumter Gaming-Platz mit dem kompletten Fokus auf das Spiel und den Stream sowie keinerlei Einbußen bei Bild und Umschaltung. Und am allerwichtigsten: Mit diesem Setup fährt der kleine Toad das nächste Mal sicher zu seinem Sieg. In diesem Sinne: Let’s play!

Bianca Schmidt

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